Polymarket hat am Montag, 19. Oktober 2026, einen Wettmarkt zum Vergewaltigungsfall an der Cornell-Universität nach heftiger Kritik eingestellt. Bis zur Einstellung waren dort 451.633 Dollar Handelsvolumen umgesetzt, die Händler bewerteten die Wahrscheinlichkeit einer Anklage zuletzt auf rund 28 Prozent.
Der Markt war am 30. September auf der internationalen Plattform des Unternehmens gestartet, nicht auf der separat betriebenen US-Plattform. Er fragte, ob einer der sieben beschuldigten Fraternitätsmitglieder bis zum 31. Januar 2027 wegen eines Sexualdelikts als Verbrechen angeklagt würde. Das Unternehmen verteidigte den Markt zunächst: Ein Sprecher sagte gegenüber Front Office Sports, der Fall und sexueller Übergriff auf College-Campussen insgesamt seien wichtige Themen, und Märkte brächten objektive, datenbasierte Einsicht in die Entwicklung eines solchen Verfahrens. Kurz danach teilte Polymarket der Agentur AP mit, die öffentlichen Einwände seien „laut und deutlich“ vernommen worden, und stellte den Markt ein.
Kritik von Anwältinnen und Opferschutzorganisationen
Der Druck kam unter anderem von der Anwältin Cheyenne Hunt, die den Markt in einem Beitrag in sozialen Medien als „entmenschlichend, widerlich und gefährlich“ bezeichnete. Die Opferschutzorganisation I Have The Right To warf dem Unternehmen vor, Behauptungen über sexuelle Gewalt in eine mögliche Gewinnquelle zu verwandeln.
Hinter dem Fall steht eine Zivilklage, die eine frühere Cornell-Studentin, in den Gerichtsakten als Jane Doe geführt, am 16. September eingereicht hat. Sie wirft sieben Fraternitätsmitgliedern vor, sie im Oktober 2024 im Haus der Verbindung Chi Phi nach Verabreichung von Alkohol, Marihuana und Ketamin vergewaltigt zu haben. Die Beschuldigten bestreiten die Vorwürfe; niemand von ihnen ist strafrechtlich angeklagt. Die örtliche Staatsanwaltschaft hatte zunächst von einer Anklage abgesehen, nahm die Ermittlungen aber nach öffentlicher Kritik wieder auf. Gouverneurin Kathy Hochul ernannte die Generalstaatsanwältin von New York, Letitia James, zur Sonderstaatsanwältin.
Sicherheitskooperation neben umstrittenen Märkten
Der Rückzug fügt sich in ein Muster. Anfang Oktober hatte Polymarket die Kooperation mit dem Anbieter Birches Health angekündigt, der Händler mit problematischem Nutzungsverhalten psychische Hilfen anbieten soll. Mit diesem Schritt adressierte das Unternehmen Sorgen um den Spielerschutz, während es mit Märkten zu Strafprozessen wiederholt Kritik erntete, zuletzt zu den Mordverfahren von Lindsay Clancy und Tyler Robinson, dem Beschuldigten im Fall des Aktivisten Charlie Kirk. Was mit den offenen Positionen über die 451.633 Dollar geschieht, hat das Unternehmen nicht mitgeteilt.
Der Vorfall fällt in eine Phase, in der Polymarket ohnehin unter Druck steht: Das Unternehmen klagt in den US-Bundesstaaten Ohio und Massachusetts gegen Behörden, und in Norwegen gab es Regulierungsmaßnahmen.
