Nach einem am 26. Oktober 2026 veröffentlichten Bericht soll der Betreiber der inzwischen eingestellten Krypto-Wettplattform Tether.bet seine Glücksspiellizenz der Curaçao Gaming Authority mit gefälschten Nachweisen erlangt haben. Wie SBC News zuerst berichtete, reichte der offenbar als Eigentümer geführte Hon Kong Yong ein Verkaufsdokument für ein Londoner Haus im Wert von 3,75 Millionen Pfund aus dem Jahr 2020 als Vermögensnachweis ein und erklärte ein Nettovermögen von 8 Millionen Pfund, obwohl er laut dem Bericht jährlich nur 40.000 Pfund verdiente.
Die Grundlage für den Vorwurf bilden keine behördlichen Ermittlungen. SBC News und das Recherchebüro Democracy for Sale stützen sich auf Tausende Dokumente, die Lilith Wittman nach Angaben des Berichts im September 2026 aus den Systemen der Curaçao Gaming Authority entnommen hatte. Der Regulator selbst hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Ein Kernpunkt der Recherche ist die Prüfung eines einzelnen Nachweises: Das angebliche Verkäuferpaar der Londoner Immobilie, ein Pensionistenpaar aus Frankreich, gab an, Yong nie getroffen oder von ihm gehört zu haben.
Warum ein Regulator das prüfen muss
Für die Analyse zählt weniger der Einzelfall als die Lücke, die er offenlegt. Ein Vermögensnachweis, der ein Einkommen von 40.000 Pfund pro Jahr gegen ein erklärtes Vermögen von 8 Millionen Pfund stellt, wirft Fragen auf, die ein einfacher Abgleich hätte beantworten können. Dazu kommt laut Bericht ein weiterer Hinweis: Yong sei 2016 für bankrott erklärt worden, eine Angabe, die ausdrücklich als nicht abgesichert gekennzeichnet ist und als Behauptung, nicht als feststehender Fakt zu lesen ist. Wenn beides stimmt, dann sind die Prüfschritte der Curaçao Gaming Authority entweder nicht erfolgt oder nicht geeignet, genau diese Diskrepanzen zu erkennen.
Das Problem ist strukturell. Die durch den Hack freigelegten Unterlagen betreffen nach Angaben des Berichts Eigentumsverhältnisse und Geschäftspläne vieler unter Curaçaoer Lizenz arbeitender Glücksspielanbieter. Ein Versagen bei einem Antragsverfahren ist damit kein Einzelfall mehr: Jede Prüfung, die denselben Methoden folgt, steht unter demselben Vorbehalt. Für Spieler, die auf Plattformen mit Offshore-Lizenz spielen, bedeutet das, dass die Lizenz weniger über die Zuverlässigkeit eines Anbieters aussagt als gedacht. In Deutschland gilt zudem, dass Angebote ohne deutsche Lizenz unter § 284 StGB fallen und auch die Teilnahme nach § 285 StGB strafbar sein kann, auch wenn Verfolgungen von Spielern selten sind. Einen Kontrast dazu zeigt die Rekordstrafe gegen EOD Code.
Was jetzt offen ist
Die Curaçao Gaming Authority hat sich zu einer Überprüfung ihrer Lizenzen oder zum Hackerangriff nicht geäußert. Die Plattform selbst ist nach dem Bericht seit August 2026 abgeschaltet, die Domain ist für britische Nutzer inzwischen nicht mehr erreichbar.
